Die Evangelische Kirche in Edingen

 
Wie alles begann
 
An der Stelle der heutigen Kirche, dem etwa höchsten Punkt des ehemaligen Dorfes Edingen, stand nachweislich bereits vorher eine Kirche, vielleicht dazwischen noch eine andere.

Schon im Jahre 798 wird eine Kirche in Edingen erwähnt. Sie war dem Heiligen Martin geweiht. Kaiser Karl der Große verlieh die Kirche dem Bischof zu Worms. Er gelangte dadurch in den Genuss des Großen Zehnten und konnte den Pfarrer zu Edingen ernennen. 1266 trat Bischof Eberhadt seine Rechte an das Domkapitel zu Worms ab.

Der Vertrag
 
Im Jahre 1496 wird zwischen dem Domkapitel Worms und der Gemeinde Edingen ein Vertrag abgeschlossen. Er lautet: „Der Edinger Pfarrkirche Patron ist Sankt Martin. Die Herren der großen Kirche zu Worms erstellen zu Edingen den Altar der heiligen Jungfrau, auch den da selbst erhaltenen Altar des hl. Johannes des Täufers. Die vorgenannten Herren unterhalten den Chor, das Langhaus, den Turm, zwei Glocken und allen Schmuck des Hochaltars. Aber die Domherren sind mit der Gemeinde übereingekommen, daß sie alle Jahre der Gemeinde 20 Malter Frucht, genannt rauhe Frucht, geben, damit die Gemeinde alles unterhalte, was die vorgenannten Herren zu unterhalten schuldig sind. Wenn aber die Kirche durch Brand oder auf andere Weise zerstört wird, dann müssen vorgenannte Herren sie wieder bauen. Die Herren halten auch das Pfarrhaus instand… Dem Ortspfarrer gehört der Grasertrag des Friedhofs.
Mit diesem Vertrag war der laufende Unterhalt gegen eine festgelegte Bezahlung vom Domkapitel zu Worms an die Gemeinde Edingen übergegangen. Auf den Vertrag berief sich der Kirchengemeinderat, als er den Bau der Kirche durch das Domkapitel zu Worms forderte.
Dieser Vertrag blieb auch in der wechselnden Geschichte der Religion in der Kurpfalz bestehen. Er wurde auch als Grundlage anerkannt beim Bau der Kirche in Edingen, obwohl hier nun eine evangelische Kirche durch das katholische Domkapitel zu Worms gebaut wurde.
 
Die Reformation

Dass Edingen schon früh eine evangelische Pfarrei war, geht aus einem Eintrag im Kirchenbuch hervor. Dort steht: „…, daß Edingen vor der Böhmischen Unruh (30-jähriger Krieg) eine Mutterkirche gewesen und eigenen Pfarrherrn gehabt, ist unter anderem daher zu beweisen, daß in der Edinger Kirch begraben liegt vormals daselbst gewesener Pfarrer, wie das Epitaphium an der Wand erzeugt, also lautend: Anno 1616 den 22. Dezembris starb der ehrwürdige und Wohlgelehrte Herr Fredericus Rasorius, zu Creutznach gebürtig, seines Alters 61 Jahre und seines Predigtamts 38, welchem Gott gnädig sein und eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle.
Dieser Erinnerungsstein war wichtig, weil ja Edingen lange Jahre keinen eigenen Pfarrer mehr hatte und jeweils nachbarschaftlich, überwiegend von Seckenheim mitverwaltet wurde. Nach dem Orleanischen Erbfolgekrieg (Ende 1679) finden wir die Bemerkung: „Gegenwärtig besteht Edingen nur noch aus vier Haushalten, die den Ackerbau betreiben… „ Als Gebäude standen nur noch die Kirche und ein Haus neben der Kirche, eine Gaststätte
Nach dem 30-jährigen Krieg gab es in Edingen so wenige Gemeindeglieder, dass es nachbarschaftlich betreut wurde.
 
Der Neubau

Im Jahre 1705 am 21. November erließ der Kurfürst die Religionsdeklaration: danach sollten von dem vorhandenen Kirchen gut 5/7 den Reformierten und 2/7 den Katholiken zugeteilt werden. In Edingen fiel das Kirchengut an die Reformierte Gemeinde. Nur noch die Kirche war da. Die Pfarräcker waren an die geistliche Administration gefallen und von ihr in Erbpacht gegeben. Auch die Kirche war in keinem guten Zustand. Die reformierte Kirchengemeinde entschloss sich daher zu einem Neubau, mit dem 1791 Baumeister Messing aus Bruchsal beauftragt wurde. Im Jahre 1844/49 wurde in Verhandlungen mit dem Zehntherrn Grafen von Oberndorf das Kirchenzehnt von Kirche und Pfarrhaus abgelöst. Bei der Renovierung der Kirche nach dem 2. Weltkrieg und der Beseitigung der Kriegsschäden wurden die Pfarrstühle rechts und links im Chorraum entfernt, unter dem linken Fenster wurde eine Tür ausgebrochen und eine Sakristei angebaut. Später wurde noch an der linken Tür zum Pfarrhaus eine Toilettenanlage errichtet.
 
Die Kirche im 3. Jahrtausend
 
Insbesondere in den Jahren nach der Coronakrise entwickelte sich das Nutzungsprofil der Kirche weiter. Neben das weiterhin intensive gemeindliche und gottesdienstliche Leben darin etablierte sich das Gebäude zunehmen als kulturelles und soziales Zentrum im Ort. Konzerte von Ensembles aus nah und fern, Vorträge von Naturschutzorganisationen, Filmvorführungen u.a. der Volkshochschule oder Austellungen und Diskussionsveranstaltungen zu sozialen Themen der Kommune wie etwa Aktionswoche "Schutz vor innerfamiliäre Gewalt und Gewalt gegen Frauen" finden dort statt. Um diesem veränderten Profil Rechnung zu tragen, aber auch um die Funktion zu dokumentieren, im Kirchenbezirk "Neckar-Bergstraße" und im Kooperationsraum "Unterer Neckar" als eine der ältesten Kirchen geistliches Zentrum zu sein und zu bleiben, erhielt das Gebäude den Namen "Neckarkirche".
 
Das Pfarrhaus

Die Veränderung der Geländesituation um die Kirche trat im Jahr 1896/97 ein. Das bestehende Pfarrhaus und Pfarrgartengelände wurde geteilt.
Das Pfarrhaus und Gelände wurde an die Familie Ding verkauft, aus dem Erlös wurde ein neues Pfarrhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kirche gebaut. Dahinter entstand ein Wirtschaftsgebäude mit Waschküche, Schweinestall und darüber ein Konfirmandensaal.
Die Zentralpfarrkasse und Pflege Schönau war nun Besitzer des Geländes. Sie verkaufte dieses an die ehemalige Edinger Brotfabrik. Nur durch den Widerstand des Kirchengemeinderats konnte verhindert werden, dass auch die Kirche verkauft und abgerissen wurde.
 
Die Kirche ist Kulturdenkmal

Die letzte große Renovierung wurde im Jahr 1984 durch den Kirchengemeinderat durchgeführt. Die Kirche ist die in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen.  Der Eintrag lautet: „Die einschiffige frühklassizistische verputzte Kirche mit eingezogenem Frontturm wurde 1789/92 nach Plänen von J. Messing errichtet und erhielt 1873/74 einen Turmaufbau im neubarockem Stil. Die Kirche ist das Wahrzeichen des Ortes, Beispiel des Bauens der Geistlichen Administration gegen Ende des 18. Jahrhunderts und des Übergangs zum klassizistischen Stil um die Jahrhundertwende. Die Erhaltung steht aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Von Bedeutung sind die Kirchenfenster, die im Jahr 1911 durch die Heidelberger Firma Meysen ausgeführt wurden. In der Kirche befindet sich auch eine sehr gut erhaltene Schleifladen-Orgel der Firma Weigle mit 24 Registern. Das mittlere Hauptwerk steht hinter einer historischen Gehäusefassade von der Firma Krämer 1792, beidseitig das Pedalwerk und in der Emporenbrüstung das Rückpositiv aus dem Jahr 1959.
 
Die Glocken

Die jetzigen Glocken auf dem Kirchturm wurden im Jahre 1950 eingeweiht. Dazu heißt es: „Lange und gründliche Beratung des Kirchengemeinderats kamen schließlich zum Entschluss, dieses Mal ein weittragendes Stahlgeläute zu erwerben. In ein großes Industriedorf, wie es Edingen im Laufe der letzten Jahrzehnte geworden ist, paßt sinngemäß auch Stahl“.
Längst steht eine grundlegende Sanierung der Kirche an. Nach dem Projekt des Gemeindehaus-Neubaus wird diese vom Kirchengemeinderat in den nächsten Jahren angegangen werden.
(Quelle: Festschrift „200 Jahre Evangelische Kirche in Edingen“)
 
 
 
 
 
 
Epitaphien hinter der Kirche
Epitaphien hinter der Kirche
 
 
Innenraum
 
 
Altar und Kanzel
 
 
Kirchenfenster
Kirchenfenster
Kirchenfenster
 
 
 
Orgel